Studie zu usomo und Immersion

Tabea Meyers

„Of Lions and Men“ war eine audio-immersive Fotografieausstellung von Studierenden der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf und der Universität der Künste Berlin in Kooperation mit usomo. Sie fand im Oktober 2017 im Art Space des Clubs Ritter Butzke in Berlin-Kreuzberg statt. Den Besucher*innen war es möglich, durch die Kombination aus Wildlife Fotografie und dem einzigartigen auditiven System von usomo einen „Film zum Durchlaufen“ zu erleben, der sie in die Savanne von Botswana entführte.

In der Abschlussarbeit unseres Bachelorstudiums haben Fabian Gieske, der Fotograf, und ich, Tabea Meyers, die Projektleiterin der Ausstellung, uns wissenschaftlich mit der Ausstellung auseinandergesetzt. Unter der Forschungsfrage „Inwiefern unterstützt ein raumbezogenes Audiokonzept das Immersionsempfinden und Präsenzerleben einer szenisch aufgebauten Fotografieausstellung?“ führten wir zehn qualitative leitfadengestützte Interviews mit Besucher*innen durch, ein halbes Jahr nachdem die Ausstellung stattgefunden hatte. Dies gab einen einmaligen Einblick in die Frage, was den Besucher*innen nachhaltig in Erinnerung geblieben war. Im Folgenden stelle ich die schlagkräftigsten Forschungsergebnisse unserer Studie in Bezug auf usomo dar.

1. usomo förderte das Immersions- und Präsenzempfinden

Of Lions and Men: Fotografie und 3D Sound mit usomoImmersion, in Abgrenzung zu Immersivität, ist für uns das Gefühl des Abgeschottet-Seins von seiner realen Umgebung und des Umgeben-Seins einer medial vermittelten Umgebung. Dies wird durch immersive Faktoren erreicht, die vom jeweiligen VR- oder AR-System ausgehen (= der Immersivität des Systems). Je stärker die Immersivität eines Systems, desto stärker die Immersion, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass ein Gefühl von Präsenz empfunden wird. Präsenz ist das psychologische Phänomen, sich einer medial vermittelten Umgebung tatsächlich anwesend zu fühlen. Alle zehn Befragten nannten Merkmale, die auf ein erhöhtes Immersions- sowie Präsenzempfinden hindeuteten. Sie beschrieben das Erlebnis mit usomo als “sinntechnisch fordernd”, als “erlebbarer” und “lebhafter” im Vergleich zu einer Ausstellung ohne Audio-Komponente. Ein Besucher beschrieb: „(…) und auch dadurch dass man durch diese Kopfhörer dann so abgeschirmt war, also man hat sich da sehr hinversetzt gefühlt“. Eine andere Besucherin erzählte begeistert von ihrer Erfahrung in einem kleineren, abgedunkelten Teil der Ausstellung, der eine Nachtsituation simulierte: „an diesen ganz kleinen abgeschlossenen Raum (…) da durfte man ja auch nur alleine reingehen… und das war dann wirklich so: ‚Jetzt bin ich in Afrika‘ also da hatte man fast das Gefühl, man muss jetzt den Mückenschutz rausholen“. usomo machte es also möglich, in Kombination mit den Fotografien, eine ganz eigene, lebendige Welt in den Köpfen der Besucher*innen zu erschaffen.

2. usomo erleichterte den Zugang zur Thematik

Bei “Of Lions and Men” war es uns wichtig, auch die Hintergrundgeschichte der Fotos mit zu integrieren. Diese sind im Rahmen eines Löwenschutzprojektes in Botswana entstanden. So gab es innerhalb der Ausstellung mehrere Wandtexte, in denen über das Projekt, Botswana, sowie das Urvolk der San-People berichtet wurde. Diese wurden außerdem von einer atmosphärischen Sound-Ebene untermalt. In den Interviews kristallisierte sich heraus, dass die Kombination aus Bild und Ton den Zugang zur Thematik erleichterte und die Thematik auch als solche interessanter werden ließ. Für manche Besucher*innen wurde erst durch die technische Komponente überhaupt Interesse geweckt. Eine Befragte erklärte, dass sie durch den Sound schneller eine Verbindung zu den Fotos aufgebaut hätte, ein anderer beschrieb, dass ihm so der “emotionale Zugang” zum Thema erleichtert worden wäre. Insgesamt wurde usomo als ein nützliches Tool wahrgenommen, um den Zugang zu anderen (Lebens-)welten zu öffnen und dadurch auch neues Wissen zu vermitteln.

3. usomo ließ die Ausstellung stärker in Erinnerung bleiben

Of Lions and Men: Fotografie und 3D Sound mit usomoVier der zehn Befragten äußerten von sich aus, dass “Of Lions and Men” ihnen durch die Audiokomponente stärker in Erinnerung geblieben war als andere Ausstellungen, die sie besucht hatten. Bei vielen war es gerade dieses Sounderlebnis, das bei ihnen einen bleibenden Eindruck hinterließ. „Durch die Verbindung mit dem Ton hat sich es einfach sehr stark eingeprägt… also der Eindruck war viel stärker als ohne Ton“, berichtete eine Befragte. „Ich hab in der Zwischenzeit sogar noch mehrere Ausstellungen gesehen (…) und ich erinnere mich an eure viel deutlicher”, erklärte eine andere. Außerdem seien viel mehr Details hängen geblieben als bei anderen Ausstellungen. Ein Besucher erklärte, dass es der atmosphärische Eindruck der Ausstellung wäre, der “absolut gezündet” hätte. usomo ließ unsere Ausstellung also aus der Masse der Berliner Veranstaltungen herausstechen und machte es möglich, ein nachhaltiges Erlebnis für die Besucher*innen zu schaffen.

4. usomo im Vergleich

Ohne dezidiert darauf angesprochen zu werden, verglichen viele Befragte usomo mit einem regulären Audioguide. Dabei wurde im Vergleich besonders hervorgehoben, daß usomo einen Raum, eine Atmosphäre schaffte, und sich dem individuellen Tempo der Besucher*innen unter ordnete. Es ließ ein spaßiges und kurzweiliges Erlebnis entstehen. Außerdem wurde die Erfahrung mit usomo als etwas “Außergewöhnliches” und eine “positive Überraschung” benannt, was wohl auch dazu beitrug, dass die Ausstellung so lebendig in Erinnerung geblieben ist.


Wir danken usomo für die einmalige Chance, eine eindrückliche und innovative Ausstellung auf die Beine zu stellen. Für mehr Informationen zu “Of Lions and Men” oder die wissenschaftliche Arbeit stehe ich gerne unter tabea.i.meyers@filmuniversitaet.de zur Verfügung.


Of Lions and Men: Fotografie und 3D Sound mit usomo