Auf interaktiven Klangspuren des alten Orients

Das 3D Audiosystem usomo verbindet Raum und Zeit 

Kristina von Bülow

usomo Humboldt-Box Laut Die Welt hörenDie dreidimensionalen digitalen Klangwelten von usomo zu erkunden ist immer wieder neu und immer wieder sehr speziell. Was den Unterschied zwischen der innovativen Neuentwicklung usomo und bisher bekannter interaktiver Soundtechnologie macht, sind das individuelle Echtzeit-Tracking jedes einzelnen Benutzers, in einzigartiger Präzision und Geschwindigkeit. Sich durch einen Innenraum zu bewegen, der keinerlei natürliche Klangquellen hat, und ein auf kleinste Bewegungen hin kalkuliertes, fließendes Klangspektrum zu hören, als würden die digitalen Klänge von den stillen Objekten im Raum ausgehen – das ist usomo.

Live erleben kann man usomo gerade in der musikhistorischen Ausstellung [laut] Die Welt hören in der Humboldt-Box Berlin. Hier geht es darum, wie Musik und andere Klänge über verschiedene Kulturen und Epochen hinweg aufgezeichnet und miteinander geteilt, wie Melodien und Rhythmen über Raum und Zeit weitergetragen werden und sich dadurch wandeln können.

usomo Humboldt-Box Laut Die Welt hörenAls interaktives Audiosystem ist usomo der ideale digitale Begleiter durch diese Ausstellung, deren akustische Wegführung durch Filminstallationen, Infostationen, Musikinstrumente und andere Objekte ergänzt wird. Ausgestattet mit einem Kopfhörer, auf dem das usomo-Trackingmodul befestigt ist, und einem Smartphone um den Hals macht man sich auf den Weg durch die Ausstellung und muss nichts weiter tun, als wahrzunehmen und zu genießen. Der Weg, den man einschlägt, ist einem völlig selbst überlassen, denn usomo reagiert in Echtzeit auf die Bewegung und Position des Menschen im Raum. Es gibt keine festgelegte Route; man wandelt auf ganz eigenen, intuitiven Pfaden. Je nachdem, vor welchem Objekt man sich gerade aufhält oder in welchen Ausstellungsbereich man sich hineinbewegt, spielen die Musik und die Stimmen, die auf dem Smartphone gespeichert sind, automatisch ab, werden lauter oder leiser, verändern sich.

Die Klänge kommen also nicht von statischen, im Raum fest verankerten Soundquellen, wie es bei althergebrachten Audiosystemen, auch bei den bisher bekannten interaktiven Audiosystemen, der Fall ist. Wenn man sich dreht und weitergeht, folgt einem der Sound und umgibt einen von allen Seiten. Es ist, als ob man in die digitalen Klangwelten vollkommen real eintaucht.

Besonders eindrücklich vermittelt sich dieser immersive Effekt in einer Videoinstallation, die auf drei Screens, die relativ dicht rechtwinklig zueinander aufgestellt sind, abläuft. Man steht also inmitten dieser bewegten Bilder und sieht die Szenen um einen herum ablaufen. Es sind vor allem Close-ups von Gesichtern einer zu Percussion und Gesang in Trance tanzenden Menge. Mit usomo auf den Ohren wird man regelrecht in die Szene hineingezogen. Man hört man die Klänge exakt von dort kommen, wo die verschiedenen, aber miteinander korrespondierenden Bilder es vorgeben. Die Stimme einer links im Bild singenden Person kommt auch von dieser Seite, und die Musik, die auf der anderen Seite gemacht wird, scheint auch von dem dort gezeigten Instrument auszugehen. Dreht man sich ab und taucht aus der Szene wieder auf, verändern sich die Klänge entsprechend, und man hat das Gefühl, einen realen Schauplatz zu verlassen.

usomo Humboldt-Box Laut Die Welt hörenAn Reihen von rechtwinklig zur Wand hängenden Schallplatten, an Vitrinen mit detailliert beschrifteten und stark vergilbten Musik- und Videokassetten und handschriftlichen Transkripten vorbeigehend, werden zu jedem Objekt Klänge digital im Kopfhörer getriggert und gehen fließend in die Sounds der folgenden über. Semi-transparente Gazestoffe mit arabischer Ornamentik fungieren als Raumteiler und suggerieren als Unterstützung zum akustisch immersiven Effekt, sich im selben Zimmer wie der Geschichtenerzähler im Film zu befinden. Nach einigen größeren informativen und unterhaltsamen Stationen leiten interaktive Hotspots in den Böden die Besucher schließlich spielerisch entlang einer imaginären Route durch arabische und europäische Kulturen und Epochen, dessen roter Faden ein sehr altes Lied ist, das uns wie in einer Zeitreise in die Gegenwart folgt.

Humboldt-Box, Berlin
[laut] Die Welt hören
Eine Zusammenarbeit mit TheGreenEyl, Berlin
22. März bis 16. September 2018


Für usomo sind auch schon die nächsten spannenden Projekte in der Pipeline. Nachdem es in der Humboldt-Box um Klänge ging, dreht sich das Konzept im Berner Museum für Kommunikation um ihr Gegenteil: Stille. Da kommen direkt zwei Fragen auf. Wie kann Stille überhaupt ausgestellt werden, und wie kann ein Audiosystem dabei helfen?

Museum für Kommunikation, Bern
Sounds of Silence
Eine Zusammenarbeit mit idee und klang und ZMIK, beide aus Basel
9. November 2018 bis 7. Juli 2018